Aufenthaltsbestimmungsrecht, Sorgerecht, Umgangsrecht: Was sind die Unterschiede?

Haben sich die Eltern eines minderjĂ€hrigen Kindes getrennt, mĂŒssen einige Dinge geregelt werden. Dazu gehören neben dem Kindesunterhalt auch das Sorgerecht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Umgangsrecht. Viele MĂŒtter und VĂ€ter wissen gar nicht, dass dort gravierende Unterschiede beachtet werden mĂŒssen. Auch ist vielen getrennten Eltern leider nicht bewusst, dass der Gesetzgeber in der Bundesrepublik Deutschland den Umgang mit dem nicht im eigenen Haushalt lebenden parallel als Recht als auch als Pflicht ausgestaltet hat. Deshalb halten wir eine laienverstĂ€ndliche ErklĂ€rung dieser Regelungen im Familienrecht fĂŒr dringend notwendig. Haben Sie noch Fragen? Ihre Familienrecht Kiel Kanzlei Jensen hilft Ihnen weiter!

Fargen zu Aufenthaltsbestimmungsrecht? Die FĂŒrsorgepflicht fĂŒr Kinder ist sogar im Grundgesetz verankert

Freya Jensen - Familienrecht Kiel

Die elterliche Pflicht zur FĂŒrsorge fĂŒr ihre Kinder leitet sich aus dem Artikel 6 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ab. Dort ist als Umkehrschluss aus dem Absatz 3 zur Trennung von der Familie herzuleiten, dass staatliche Institutionen einschreiten mĂŒssen, wenn die Eltern eines Kindes zur AusĂŒbung der Personensorge zeitweise oder dauerhaft nicht in der Lage sind. Außerdem findet sich an der gleichen Stelle im Grundgesetz die Vorschrift der Gleichbehandlung von ehelichen und nichtehelichen Kindern.
Im BĂŒrgerlichen Gesetzbuch findet sich die Definition der elterlichen Sorge im Paragrafen 1626. Er besagt, dass sich das Sorgerecht in die Teilbereiche Personensorge und Vermögenssorge gliedert. Die gleiche Rechtsnorm trifft außerdem die Grundsatzaussage, dass das Kind ein Recht auf den Umgang mit beiden Elternteilen sowie zu anderen Personen hat, zu welchen intensive Bindungen aufgebaut wurden. Außerdem findet sich hier der Grundsatz, dass bei allen Regelungen zum Sorgerecht, zum Aufenthaltsbestimmungsrecht und zum Umgangsrecht das Kindeswohl die oberste PrioritĂ€t hat.

Was sollten Eltern zum Sorgerecht wissen?

Das Sorgerecht ist die höchste Stufe der Hierarchie bei den Rechten und Pflichten gegenĂŒber minderjĂ€hrigen Kindern. Es beinhaltet die Personensorge und die Vermögenssorge sowie das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Umgangsrecht. Dabei kennt der Gesetzgeber sowohl das gemeinsame Sorgerecht als auch das alleinige Sorgerecht. Bei ehelichen Kindern entsteht bei der Geburt automatisch ein gemeinsames Sorgerecht. Das resultiert aus den Paragrafen 1951 und 1592 des BĂŒrgerlichen Gesetzbuchs zur Mutterschaft und Vaterschaft.

Bei nicht miteinander verheirateten Eltern entsteht bei der Geburt ein Einzelsorgerecht auf Seiten der Kindesmutter. Jedoch haben sie die Möglichkeit, ein gemeinsames Sorgerecht zu erklĂ€ren. Bei einer spĂ€teren Heirat des Kindesvaters und der Kindesmutter entsteht das gemeinsame Sorgerecht automatisch. Der Kindesvater kann die Mitwirkung am Sorgerecht außerdem beim Familiengericht einklagen. Die dazugehörigen Regelungen finden sie im Paragrafen 1626a des BĂŒrgerlichen Gesetzbuchs.

AbĂ€nderungen des Sorgerechts sind möglich. So kann beispielsweise bei einer Scheidung ein Alleinsorgerecht zu Gunsten des Vaters oder der Mutter beantragt werden. Die Entscheidung trifft das zustĂ€ndige Familiengericht unter Einbeziehung des Jugendamts. Dabei stehen das Kindeswohl und der sogenannte KontinuitĂ€tsgrundsatz im Vordergrund. Bei einem von beiden Parteien beantragten Alleinsorgerecht kann auch der kĂŒnftige Wohnort des Vaters oder der Mutter zum alleinigen Entscheidungskriterium werden, wenn beide Elternteile gleichermaßen gut zur AusĂŒbung des alleinigen Sorgerechts geeignet sind.

Wir beraten Sie in unserer auch von Preetz aus gut erreichbaren Kanzlei fĂŒr Familienrecht in Kiel nach der Vereinbarung eines Termins gern individuell.

Ein an Bedingungen geknĂŒpftes Sorgerecht entsteht nach dem deutschen Familienrecht auch beim neuen Ehepartner der Elternteile. Dieser darf Dinge des alltĂ€glichen Lebens anstelle des eigentlich Sorgeberechtigten entscheiden. Diese Mitwirkung an der elterlichen Sorge schließt außerdem Entscheidungen in Notsituationen ein. Ein Beispiel wĂ€re die Zustimmung zu lebensrettenden Operationen, wenn keiner der an sich sorgeberechtigten Elternteile erreichbar ist. Die dazugehörige Gesetzesgrundlage ist der Paragraf 1687b des BĂŒrgerlichen Gesetzbuchs.